Menschen in der Innenstadt

Die Crux mit den Filialen

In der Corona-Krise muss der Einzelhandel schwere Zeiten durchmachen. Aus den Innenstädten verschwinden schon jetzt viele Filialen – aber jetzt sind Banken dran. Das hat einschneidende Folgen.

Es ist noch gar nicht lange her, da hatte eine private Großbank damit geworben, dass sie ihr Filialnetz ausbauen und pflegen werde und nicht – wie andere Institute – abbaut. Schließlich, so hieß es in regelmäßigen Pressemitteilungen, gewinne man ja Monat für Monat Kunden hinzu. Das tun übrigens die meisten Banken, zumindest erklären sie es.

Erfreulich – aber nicht von Dauer. Auch dieses Institut musste eingestehen, dass es um Filialschließungen nicht herumkommt. Zu übermächtig sei der Digitalisierungsschub durch die Corona-Krise geworden. Deshalb werden Filialen auch in Hamburg und Schleswig-Holstein, die im Zuge des Corona-Lockdowns bereits geschlossen worden waren, gar nicht mehr aufgemacht.

Selbst Sparkassen schließen Filialen

Im Zuge der Recherchen zu diesen Filialschließungen stieß ich gleich auf die zweite große Privatbank, die ebenfalls gerade im Begriff ist, vier Filialen im Norden zu schließen – aber dies nicht an die große Glocke hing, schließlich seien die Kunden schon informiert. Es war schon fast erstaunlich, dass sie in einigen Orten an der schleswig-holsteinischen Westküste überhaupt noch vertreten war, die ja eigentlich fest in der Hand der Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken sind.

Und selbst die Sparkassen haben in der Fläche in den vergangenen Jahren kräftig abgebaut. Wenn es keine Filialen mehr gibt, kommt mit Glück noch ein Bank-Bus einmal die Woche vorbei, oder es wird auf das nächste Städtchen im Kreis verwiesen. Aber es ist auch eine Crux mit den Filialen: Sie werden weniger und weniger benötigt. Die Digitalisierung leistet dabei einen erheblichen Vorschub.

Zwischendurch gab es einige Spielereien, möchte man sagen, Bankberatung im Café etwa, wie sie Deutschlands größte Sparkasse in Hamburg ausprobierte. Nur – wer möchte mit einem Berater in einem wuseligen Bäckereicafé über seine Finanzen reden, während um ihn herum die Kunden kommen und gehen? So ziemlich das Gegenteil von Diskretion ist das. Kaum ein Szenario fällt einem ein, in dem dies Sinn machen würde.

Die Kunden können sich viele Wege schenken

Wenn die Gespräche also nicht im Cafe und nicht in der Filiale stattfinden – wo dann? Am guten alten Telefon höchstwahrscheinlich oder auch in der Videokonferenz mit dem Bankberater. Es hilft nichts: Bei beiden Wegen ist man ortsunabhängig, kann sich den Weg schenken. Bei wichtigen Terminen wird dies keine Alternative sein, aber für die regelmäßigen Gespräche schon. So wie das Bargeld auf dem Rückzug ist, wird es auch der Schalter in der Filiale sein.

Und so werden sich die Bankfilialen perspektivisch wohl einreihen in die Vielzahl der Geschäfte, die aus den Innenstädten abziehen. Die Postfilialen machten oft den Anfang. Es gibt gar nicht mal so kleine Bahnhöfe, in denen die DB ihr Reisezentrum geschlossen oder ausgelagert hat. Und selbst die Zukunft der Kinos ist keineswegs mehr sicher. Es scheint geradezu eine Crux mit den Filialen zu sein.

Die Zukunft der Innenstädte

Gastronomie wird in den Innenstädten eine größere Rolle spielen.
Gastronomie statt Filialen – das wird künftig in den Städten eine größere Rolle spielen. Foto: pixabay

Die Händler wissen natürlich längst, wo die Zukunft der Innenstädte liegt, wie zum Beispiel der Einzelhandelsverband für einen anderen Bericht über die Schließung von Karstadt-Standorten berichtet: Eine multifunktionale Innenstadt muss entstehen, in der es viel Aufenthaltsqualität gibt und viel Gastronomie, in der aber auch gewohnt wird und wo es eben auch Geschäfte gibt. Aber die Einkaufsstadt klassischer Prägung wird sich wandeln.

Statt zu Karstadt zu gehen, statt die Bank zu besuchen, oder in den Filialen einer Modekette zu shoppen, wird dort auch gebummelt und flaniert – aber eben nicht notwenigerweise zum Einkaufen. Noch steht übrigens die Corona-Krise dieser Entwicklung entgegen, denn noch gibt es Maskenpflicht, und das ist mit der Hindernisgrund Nummer eins für entspanntes flanieren. Aber wenn die Krise hoffentlich einmal eingedämmt ist, muss der Wandel beginnen. Einige Städte werden das schaffen, andere nicht. Man darf gespannt sein, wie rasch sich der Wandel vollzieht.