Blog

  • Die Elbe gegen den Strom

    Mit gewaltiger Kraft rauscht die Elbe dem Segelboot entgegen, nur ganz langsam geht es an Neuwerk vorbei in der Mündung der Elbe. Da braucht es Stunden, um von Scharhörn nach Cuxhaven zu segeln. Dazu bricht auch noch die Dunkelheit herein.

    Immer wieder hört man es, immer wieder liest man es: Die Elbe gegen den Strom hinauf zu segeln, sollte man besser sein lassen. An Land hören sich solche Ratschläge gut an. Was aber, wenn es gar nicht anders geht? Und wenn dazu noch die Dunkelheit hereinbricht, auch wenn vor der Ansteuerung Cuxhavens bei Nacht gewarnt wird? Manchmal muss man da durch, allen klugen Ratschlägen zum Trotz.

    Auf dem Weg aus dem Wattenmeer brauche ich Zeit, bis die Flut kommt und wieder so viel Wasser in den kleinen Hafen läuft, dass “Svanen” wieder schwimmt. Vorher saß sie auf dem weichen Schlick auf. Doch das zieht sich den ganzen Vormittag über hin. Eigentlich zu spät, kann ich sicher ablegen, ohne gleich im Hafen stecken zu bleiben. Bis Scharhörnriff ist es eine sehr schnelle Fahrt: Frischer Wind weht aus der richtigen Richtung, alle Segel sind oben, ich komme auf ein Tempo von 6,8 bis 7 Knoten durchs Wasser. Immer wieder ist es erstaunlich, wie schnell so ein älterer Langkieler sein kann, wenn genug Wind weht.

    Vor Scharhörn ist alles noch in Ordnung

    Doch das war die Geschwindigkeit durchs Wasser, nicht über Grund – eine Unterscheidung, die in Tidenrevieren wie der Nordsee ja essenziell ist. Also: “Svanen” fährt nur mit fünf Knoten über Grund, weil die Flut nun gehörig in die Deutsche Bucht hineinfließt. Die sieben Knoten kann ich auf der Logge beobachten und mich an diesem eher theoretischen Wert erfreuen. Aber immerhin: Würde ich nur sechs Knoten durchs Wasser laufen, würden nur noch vier über Grund übrig bleiben.

    Man braucht auf der Nordsee einfach ein schnelles Schiff, gerade wenn man gegen die Tide unterwegs ist. Bis Scharhörn geht das alles noch. Beim “Einbiegen” auf die Außenelbe fahre ich bei schönstem Sonnenschein, es ist Nachmittag geworden, an einem Forschungsschiff des BSH vorbei. Seine Beiboote, die “Komet 2” und “Komet 3” tasten in langen Schleifen die Sandbänke ab, um diese zu vermessen.

    Neben dem Fahrwasser ist genug Platz

    Es folgt der dichte Schifffahrtsverkehr auf der Außenelbe, in Richtung Cuxhaven, aber auch hinaus aufs Meer. Tanker passieren mich, Containerschiffe, davon einige richtig große, auch die Helgolandfähre kommt vorbei gedampft. Ein großer Pluspunkt: Der Streifen neben dem eigentlichen Fahrwasser ist so breit, dass man als Segelboot noch gut dort segeln kann und mit dem Fahrwasser zwischen den roten und grünen Tonnen gar nicht in Berührung kommt. Es sei denn, man müsste kreuzen.

    Doch die Windrichtung stimmt noch, ich kann weiter mit “Svanen” auf der Außenelbe segeln. Aber was ist das? Als die Insel Scharhörn mit ihren Sandbänken an Steuerbord auftaucht, wird der Strom stärker. Jetzt steht er mit 2,5 Knoten gegen mich. Was macht das noch über Grund? Na ja, da bleiben noch 3,5 Knoten übrig. So schnell segelt das Boot nicht mehr, der Wind hat etwas nachgelassen. Aber mit 3,5 Knoten kann man auch Cuxhaven erreichen, denke ich mir, es dauert eben nur etwas länger.

    Es sollte sich zeigen: von Wegen. Die Strömung steigt an, immer mehr Wasser fließt aus der Elbe hinaus aufs offene Meer. Hinter Scharhörn sind es erst 3, dann 3,5 Knoten gegen an. Ich muss die Maschine starten, um beim Segeln etwas nachzuhelfen. So komme ich zwar wieder auf sieben Knoten durchs Wasser, von denen aber nur noch 3,5 Knoten übrig bleiben. In solchen Momenten erübrigt sich natürlich jede Diskussion, ob Segel oder Maschine – man braucht schlicht alles, was Tempo macht.

    Es bleibt kaum noch Tempo über Grund übrig

    Es wird langsam dunkel, die Sonne schickt sich an, über dem Horizont im Westen unterzugehen. Die Schiffe haben bereits ihre Positionslaternen eingeschaltet. Es soll hier eine Stelle im Watt geben, wo Skipper, die es nicht mehr gegen den Strom nach Cuxhaven schaffen, übernachten könnten. In einem Pril sicher festmachen, das hätte schon etwas. Aber vor mir taucht doch bereits Cuxhaven auf, es scheint ja schon zum Greifen nahe. Man sieht die Küste, an Steuerbord Neuwerk, dort hinten den langen Leitdamm, der neben dem Strand aufs Meer hinauf führt.

    Als ob die Elbe das geahnt hätte, als ob sie einem eine besonders kniffelige Aufgabe stellen wollte: Sie dreht auf, erst sind es 4,5 und dann satte fünf Knoten Strömung gegen an. Von meinen schönen sieben Knoten bleiben nur noch zwei übrig. Einige Minuten später fahre ich nur noch 1,6 Knoten über Grund. Wie lange soll die Fahrt bis zum sicheren Hafen jetzt noch dauern? Der Plotter kennt die Ankunftszeit auf der Route: 22.30 Uhr zeigt er an, obwohl es doch gerade einmal 19 Uhr ist und das Land schon so nahe erscheint. Aber er schätzt ja nur die Entfernung gegenüber der Fahrt über Grund, und so bleibt Hoffnung, dass der Strom noch nachlässt.

    Die Navigationslichter gehen auf der Elbe an

    Jetzt bin ich wenigstens gewappnet und weiß, was da auf mich zukommt. Glücklicherweise lässt der Strom wieder ein wenig nach. Aber mehr als 2 Knoten über Grund sind hier nicht mehr zu machen. Die Sonne ist längst versunken, ich schalte die Navigationslaternen ein. Erst geht die “Dampferlaterne” am Mast nicht an, dabei hatte ich doch jüngst erst die Kabel kontrolliert. Zunächst muss die Deckbeleuchtung dafür herhalten, die auch nach vorne abstrahlt. Dann aber, das erste positive Zeichen, geht sie doch an: “Svanen” leuchtet hell in der Elbmündung, rot, grün und weiß.

    Ein Blick auf die Instrumente: 1,6 Knoten (links) macht “Svanen” nur noch über Grund, 6,8 sind es durchs Wasser

    Unheimlich ist das ganze eigentlich nicht: Zwar wird es jetzt Nacht, aber die Schiffe und die Seezeichen sind sehr deutlich auszumachen. Es blinkt und blitzt von allen Seiten und dazwischen sieht man sehr schön die anderen Schiffe. Zumal kein Freizeitverkehr um diese Zeit hier noch unterwegs zu sein scheint, nur die Berufsschifffahrt, die kontinuierlich an mir vorbeizieht. Jetzt noch schnelle Motorboote, die von allen Seiten kommen, das müsste doch nicht sein.

    Einen Frachter auszumachen, seine Richtung zu bestimmen und die Geschwindigkeit abzuschätzen fällt erstaunlich leicht bei Nacht. Ich denke an die Warnung im Törnführer: Cuxhaven solle man nicht bei Nacht anlaufen. Aber wie schon oben geschrieben: Manchmal bleibt einem einfach nichts anderes übrig.

    In den Flussmündungen ist die Strömung entscheidend

    Bei Segeltörns auf der Nordsee muss man einfach sehr viele Faktoren “unter einen Hut” bringen. Auf der Ostsee kümmert man sich in erster Linie um das Wetter, also um die Windstärke, die Windrichtung, die Wellenhöhe und vielleicht noch darum, ob es regnet oder trocken ist. So kann man sehr komfortabel bis nach Schweden und Finnland segeln, wie ich es in dem Buch “Zwei Hamburger segeln nach Haparanda” beschrieben habe. Und selbst wenn es in den Oslofjord geht, wie in dem Buch “Vom Öresund zum Oslofjord”, sind die navigatorischen Bedingungen viel einfacher als hier auf der Nordsee.

    Zum Wetter kommen dann eben noch Ebbe und Flut dazu, die bestimmen, wann man flache Häfen im Watt anlaufen kann und wann man wieder aus ihnen herauskommt. Und in den Flussmündungen zwischen Eider und Ems ist natürlich die Strömung noch entscheidend. Alles haben wir schon erlebt: Mit bis zu zehn Knoten kann man die Elbe hinab rauschen, wenn man mit dem Strom segeln kann.

    Schöne Fahrten haben wir vor einigen Jahren von Bremen aus unternommen, die ich in “Der Törn vom Haff ins Watt” schildere. Aber jetzt ist es unangenehm, gegen anzufahren. Auf die Tageszeit, sprich, Dunkelheit, kann man da nicht mehr viel Rücksicht nehmen. Hier kommt noch dazu, dass das Wetter sich in den nächsten Tagen noch verschlechtern soll. Es war also zwingend notwendig, sich auf die Reise zu machen, selbst wenn der Strom dagegen steht.

    Gewaltige Kräfte wirken auf der Elbe

    Zum Segeln ist jetzt zu wenig Wind, und die Fahrtrichtung geht genau in den Wind hinein. Bei Dunkelheit im Fahrwasser kreuzen, das muss ich mir doch schenken. Ich berge die Segel: Die Rollfock wird einfach aufgerollt, das Groß fällt auf den Baum und wird dort gut festgezurrt. Ich muss die Drehzahl vom Diesel erhöhen, dann schafft er es noch, das Boot auf 6,8 Knoten zu bringen.

    Bei Nacht sind die Seezeichen gut zu erkennen, wie die Langzeitbelichtung zeigt

    Unheimlich scheinen die Kräfte, die hier herrschen: Mit großer Bugwelle fährt “Svanen” in den Strom, der mit immer noch fünf Knoten vorbeirauscht. Darin mache ich noch 1,8 Knoten Fahrt über Grund. Langsam, nur ganz langsam, schiebt sich “Svanen” Cuxhaven näher. Stunde um Stunde vergeht so auf der Außenelbe. Endlich ist der Leitdamm vorüber und die Kugelbake taucht an Steuerbord auf. Dabei ist sie kaum auszumachen: Man sieht nur ein dunkles Gerüst in den Nachthimmel ragen. Dazwischen funkeln einige Besucher mit ihren Taschenlampen herum, was auf dem Wasser schon etwas irritierend sein kann. Eigentlich schade, dass die Bake nicht beleuchtet ist, anders als die vielen “echten” Seezeichen und Tonnen. Ich bin froh, als ich mitten im rauschenden Wasser die Kugelbake passiere.

    Jetzt ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum Yachthafen, gleich hinter dem Fährhafen. Das geht auch noch vorüber, hier auf der dunklen Elbe. Unheimlich ist es noch einmal, bei der starken Strömung in die Einfahrt zum Yachthafen einzubiegen. Zack, Ruder herum geschwenkt, das Schiff dreht ein und schlagartig lässt der Strom nach.

    Ein freundlicher Segler nimmt die Leinen an

    Ich fahre noch die Stege entlang , bis ein freundlicher Segler aus den Niederlanden auf einen Platz deutet: “Hier ist noch frei”, ruft er, und hilft, die Leinen anzunehmen. Die Vindö ist schnell vertäut, am Schwimmsteg an der Seite und vorne. Das Schiff liegt fest. Langsam lässt die Anspannung nach. Es ist tatsächlich 22.30 Uhr geworden, wie ich beim “Schnack” mit dem Holländer feststelle. Um 17.00 Uhr hatte ich Scharhörnriff erreicht. Meine Güte, was hat mir die Elbe da Wassermassen entgegengeworfen. So viel Strömung, dass ich buchstäblich nach Cuxhaven gekrochen bin. Fünfeinhalb Stunden für die Anfahrt auf der Außenelbe.

    Doch dieses Erlebnis hat auch etwas Befreiendes: So sieht es also aus, wenn man gegen die Strömung die Elbe hinauffährt. So ist also der schlimmste Punkt, wenn der Wind nicht mehr passt zum Segeln, wenn der Strom gegen an seine höchste Geschwindigkeit erreicht und es auch noch Nacht wird. Das ist machbar, denke ich, wenn auch knapp. Was soll da noch passieren?

    Nun, nicht so ganz. Jeder Nordseesegler wird wissen, was da noch so alles passieren kann. Zum Beispiel, wenn der Wind noch gegen den Strom gestanden hätte und sich fiese Wellen in der Elbmündung aufgebaut hätten. Dann wäre die Anfahrt noch wesentlich aufreibender geworden. Auch das ist uns passiert – aber das ist eine andere Geschichte. Nur so viel: Es ging, weil es manchmal einfach gehen muss.

    Mehr Geschichten über die Nordsee gibt es in dem Buch “Der Törn vom Haff ins Watt” – und demnächst in einem weiteren Band aus der Reihe “Reisebücher unter Segeln”.

    Vor Scharhörnriff liegt die "Komet" des BSH

    Bild 2 von 8

  • Segeln mit Shakespeare: hinter den Kulissen des »Oslofjordes«

    »Vom Öresund zum Oslofjord: Eine literarische Nordlandfahrt unter Segeln« geht schrittweise in den Vertrieb. Hier gibt es die Übersicht, wo das neue Buch bereits erhältlich ist. Doch was steckt eigentlich hinter diesem Buch, mit dem ich meine “Segel-Trilogie” komplettiere, im Anschluss an »Der Törn vom Haff ins Watt« und »Zwei Hamburger segeln nach Haparanda«?

    Der Rahmen ist der gleiche wie bei den beiden ersten Segelbüchern: Im Mittelpunkt steht ein längerer Törn, den wir mit unserem Segelboot unternommen haben, angereichert um Erlebnisse vor und während der Fahrt. Dazu gab es im Haparanda-Buch noch praktische Tipps für Segler, im »Haff ins Watt«-Buch die Hafentipps. Das ist in »Vom Öresund zum Oslofjord« anders. Dieses Buch geht einige Schritte weiter: Ich verbinde Werke der klassischen skandinavischen Literatur mit den Segelerlebnissen. Der erste Titel, der mir durch den Kopf ging, war dann auch “Segeln mit Shakespeare”. Aber es gibt ja noch mehr als Shakespeare zu entdecken in diesem Buch.

    Von Holger Danske und Prinz Hamlet

    Holger Danske in den Katakomben von Kronborg

    Dahinter stecken, ich gebe es gerne zu, Schloss Kronburg und die kleine Meerjungfrau. Bei ihr hatten wir in Kopenhagen vor einigen Jahren festgemacht, als wir mit dem Boot die dänische Hauptstadt angelaufen hatten. Da denkt man unweigerlich an die Geschichten von Hans Christian Andersen, ebenso war es beim Besuch des Schlosses am Ausgang des Öresundes. Denn dort unter im Keller schläft die Sagenfigur »Holger Danske«. Aber auch mit »Hamlet, dem Prinzen von Dänemark« hat das Schloss einen starken literarischen Bezug, schließlich hat William Shakespeare das Drama ganz bewusst hier angesiedelt.

    Mit dem Segelboot zu fernen Zielen reisen, das lässt oft genug reichlich Raum für Lesen – etwa, wenn das Boot bei günstigem Wind übers Meer pflügt oder wenn man abends im Hafen festgemacht hat. Deshalb liegen die Verbindungen zu Selma Lagerlöfs »Nils Holgerson« an der schwedischen Küste oder Hendrik Ibsens »Peer Gynt« im Oslofjord auf der Hand. Das Buch sollte mehr als ein Törnführer mit praktischen Segeltipps werden, ich wollte eine Art »Crossover« wagen und das Genre der klassischen Reiseerzählung oder gar des nüchternen Törnberichts für Segler erweitern.

    Spannende Städte in Reichweite

    Die Einfahrt nach Göteborg

    Der zweite Grund, dieses Buch zu schreiben: Wir sind zwar im vergangenen Jahr die lange Strecke nach Finnland gesegelt, eine fantastische Reise, aus der dann »Zwei Hamburger segeln nach Haparanda« wurde. Aber noch besser als im Bottnischen Meerbusen kennen wir uns an der schwedischen Westküste aus, im Oslofjord und natürlich im Öresund – dorthin hatten uns zuvor schon mehrere Reisen mit dem Segelboot geführt. Orte wie Marstrand oder die Insel Orust sind uns wohl vertraut (schließlich wurde dort auch unsere Vindö einmal gebaut). Das musste einfach in einem weiteren Buch münden. Zumal dieser Törn mit Kopenhagen, Göteborg, Oslo und Aarhus gleich vier interessante Städte vorstellt, die in Reichweite für deutsche Seglerinnen und Segler liegen.

    Lange habe ich über dem Buchcover gebrütet. Ich wollte gerne unser Segelboot und das mächtige Schloss Kronborg aus dem Cover zeigen. Natürlich gibt es solche Fotos nicht von »der Stange«. Kurz hatte ich mit dem Gedanken gespielt, einen Marinemaler zu kontaktieren, der für ein kanadisches Ehepaar ein Buchcover entworfen hatte – auf diesem segeln die beiden Nordamerikaner nämlich mit ihrer Yacht an Kronborg vorbei. Das verwarf ich aber wieder. Da wir auch keine Kameradrohne unser Eigen nennen, gab es noch die Möglichkeit, eine ganz klassische Montage anzufertigen.

    Schloss Kronborg als Aquarell

    Das Cover des Buches ist fast fertig

    Dazu wurde ein Foto, das ich von Bord von Schloss Kronborg gemacht hatte, bearbeitet. In das Bild wurde eine Aufnahme der Vindö hineingesetzt. Um diesem Motiv einen besonderen Schliff zu verleihen, wurde das Bild anschließend gleich dreimal gefiltert: So verschmolzen die Bilder miteinander und das Bild erhielt das Aquarell-Erscheinungsbild. Ich finde, es ist ein sehr interessantes, einzigartiges Motiv geworden. Darauf kam dann die typische Schrift für Titel und Untertitel und die blaue »Svanen«-Banderole an der Unterkante.

    Jetzt befindet sich das Buch mitten in der Auslieferung, Stück für Stück. Ich hoffe, dass es Ihnen als Leserin und Leser genauso viel Spaß machen wird, wie es mir gemacht hat, das Buch zu schreiben. Auch wenn das Werk mit seinen zwei Handlungsebenen ein etwas ungewöhnlicher Reisebericht ist – aber einer, der Freude macht.

  • E-Book oder Taschenbuch oder etwas ganz anderes?

    Das gedruckte Buch läuft dem E-Book bei Weitem den Rang ab, so meine Erfahrung. Physisch erhältliche Bücher stehen unangefochten an erster Stelle. Doch es gibt auch noch andere Möglichkeiten.

    Wir haben mit der “Edition Svanen” ganz schön herumexperimentiert. Als ich mein erstes Buch herausgebracht habe, war ich gespannt, wie sich das E-Book gegenüber dem gedruckten Buch schlagen würde. Vielleicht wird ein Drittel der Bücher, auf elektronischem Weg verkauft, schätzte ich. Das ist doch ein unkomplizierter Vertriebsweg. So um die 23 Prozent schätzt man in der Verlagsbranche lassen sich etwa Segelbücher auf elektronischem Wege verkaufen.

    Keine zehn Prozent sind E-Books

    Gleich vier Ausgaben haben wir aufgelegt: Print für den Buchhandel, Print für Amazon als Taschenbuch und gebundene Ausgabe. Dazu kamen das E-Book für Kindle und Tolino sowie für andere Lesegeräte. Da musste man über ganz schön viele Ausgaben den Überblick behalten. Stellen Sie sich vor, sie wollen nur schnell eine kleine Korrektur im Text machen ;-).

    Das war natürlich völlig falsch gedacht. Als es losging mit “Zwei Hamburger segeln nach Haparanda” lag im ersten Monat der Anteil der Taschenbücher bei 80 Prozent, gefolgt von der gebundenen Ausgabe, gefolgt vom E-Book. Das hätte ich nicht gedacht. Entweder die Segler sind eine Zielgruppe, die gern ein handfestes Buch erhalten möchte oder E-Books sind einfach nicht so populär wie in den USA, zum Beispiel. Wer ein Buch herausbringt, sollte partout nicht den Fehler machen, sich auf ein E-Book zu beschränken, das ist uns jedenfalls klar.

    Auch die englische Ausgabe “Sailing to Scandinavia” wird in Großbritannien hauptsächlich als gedrucktes Buch verkauft. Und mit dem zweiten Buch, “Der Törn vom Haff ins Watt“, verhält es sich ähnlich: Print dominiert mit Abstand. Soweit meine eigenen praktischen Erfahrungen mit den Formaten, sozusagen meine kleine Feldstudie.

    Dabei sind die E-Books praktisch

    Dabei finde ich persönlich E-Books eigentlich ganz praktisch. Die Lesegeräte sind mittlerweile komplett ausgereift, egal, ob man einen Kindle, einen Tolino oder etwas ganz anderes in den Händen hält. Ich habe da einen Reader mit E-Paper-Display, mit dem ich sogar über Readly Zeitung lesen kann, was einwandfrei funktioniert.

    Wenn man unterwegs ist, so wie wir im vergangenen Jahr in Finnland zum Beispiel, und ich möchte ein bestimmtes Buch lesen, dann ist es sehr praktisch, sich das Buch im Netz zu kaufen und direkt auf den E-Reader übertragen zu lassen. Außerdem kann man, Netzanbindung vorausgesetzt, nicht nur auf dem Lesegerät, sondern auch auf dem Mobiltelefon mit seinem hochauflösenden Display lesen.

    Die Alternative: Das Hörbuch

    Doch halt, was ist das? Was klettert da beständig immer weiter oben in den Verkaufscharts? Es ist das Hörbuch “Zwei Hamburger segeln nach Haparanda”. Sollte das am Ende die Verkaufszahlen der Print-Bücher schlagen? Der Weg war sehr steinig, wir mussten zusätzlich einen US-Dienstleister einschalten, “Findaway Voices“, um das Buch über Amazons Audible vertreiben zu können, da dies von Deutschland aus nicht möglich ist. Das Unternehmen ist aber sehr professionell und rechnet pünktlich ab. Und ich selbst höre ja auch gerne Audiobooks.

    Ich freue mich eigentlich, dass die Print-Bücher nach wie vor so gefragt sind. In Zeiten von “körperloser Musik” und Videostreaming ohne DVD und Blu-ray gibt es wenigstens noch ein Format, das physisch ausgeliefert wird. Aber weiß, wohin der Weg beim Hörbuch geht – das sollte man im Auge behalten.

  • Die Grenzen der “Sharing Economy”

    Alles nur noch leihen statt kaufen? Nicht besitzen, sondern benutzen? Die Anhänger der “Sharing Economy” sehen darin das Modell einer neuen Wirtschaftsordnung. Doch das funktioniert praktisch kaum, zu viele Hürden stehen dem entgegen, wie eine simple Mietwagenbuchung zeigt. Die Hürden sind zu hoch.

    Ausgerüstet mit einem Ausdruck des Vouchers, Führerschein, Ausweis und Kreditkarte am Mietwagenschalter – und ins Verkaufsgespräch. Wer hat das nicht schon erlebt? Denn was ist mit der Reisegepäckversicherung, der Insassen-Unfallversicherung, der erweiterten Haftung, die allesamt nicht abgedeckt seien, wie der Mitarbeiter am Schalter deutlich macht. Und die gewählte Mietwagengröße ist für eine längere Strecke doch auch nicht die richtige. Auch Debatten über die Tankregelung gehören dazu, der Tank wird drei zwei Achtel voll übergeben und bitte so wieder abgegeben.

    Und doch: Man könnte diese Gespräche am Mietwagenschalter vermissen. So lästig sie auch waren, man musste sich ja nichts “aufschwatzen” lassen. Das ließ sich auch sportlich absolvieren. Aber heute sind sie einfach wegrationalisiert worden. Die Buchung eines Mietwagens ist dadurch keineswegs einfacher geworden, im Gegenteil.

    In der Kleinstadt gab es kaum Autos

    So haben wir es erfahren müssen, als wir jüngst in Schweden ein Auto buchen wollten. Erst einmal eines finden! Die bekannten Mietwagen-Preisvergleichsportale priesen zwar alle Angebote für die gar nicht so kleine Kleinstadt in Südschweden an, an deren Hafen wir mit dem Boot angelegt hatten. Doch nach mühseliger Angabe der Daten konnte kein einziges der Portale ein verfügbares Auto aufweisen.

    Also kein Preisvergleich, sondern direkt gebucht. Unter den großen Firmen hatte der “große rote Anbieter”, anders als der gelbe, tatsächlich ein Fahrzeug vorrätig, wenn auch nicht wirklich günstig. Wir sind eben nicht auf Mallorca, sondern in Schweden. Der nächste Schritt, der mich ohne Übertreibung eineinhalb Stunden kostete, war der Versuch, meinen Account als “preferred customer” wiederzubeleben. Natürlich war das Passwort längst vergessen und die Zustellung eines neuen klappte auch nicht. Als ich es endlich schaffte, über den Link einer alten Werbemail wenigstens meine “World Discount Number” eintragen zu lassen, staunte ich: Der Preis war mit “Discount Number” genauso hoch wie ohne.

    Kreditkartendaten jagen ohne Spur durchs Netz

    Also in den sauren Apfel gebissen und gebucht. Natürlich lief die Reservierung über den ausländischen Zahlungsdienstleister erst einmal schief, bevor er eine zweite Kreditkarte akzeptierte. Was mit den Daten aus dem fehlgeschlagenen Versuch passierte – keine Ahnung.

    Die Reservierung wurde durchgeführt, konnte aber nicht bestätigt werden. Das müsse manuell geschehen, wurde per E-Mail ausgerichtet. Im Eifer des Gefechtes fiel mir auf, bei den Daten einen Tag zu kurz angegeben zu haben. So würde der schwedische Mietwagen-Abstecher doch etwas kurz werden. Also versucht, die Hotline anzurufen – ein schwerer Fehler. Bei der harmlos erscheinender Nummer in Frankfurt sind zwei Telefoncomputer hintereinander geschaltet, ganz schön raffiniert.

    Der erste fängt die Anrufer ab. Unter allen Optionen, die mir das System anbot, haute keine einzige hin. Doch statt eines “Mitarbeiters” (ich habe dieses Wort ungefähr zehnmal ins Telefon gerufen) wurde ich mit dem zweiten Computer verbunden, bei dem ich mit den Telefontasten durchs Menü navigieren durfte. Das Ergebnis: es kam die automatische Ansage, man möge doch bitte die Website besuchen, dort könne man die Buchung verwalten. Was übrigens auch online nicht klappte.

    Das Auto mit Hybridantrieb war prima

    Elektroautos können durchaus Spaß machen, bei Hybridfahrzeugen allerdings ist die elektrische Reichweite zu gering. Foto: pixabay

    Nur wenige Stunden später traf dennoch die Bestätigung ein. Zu dem Zeitpunkt war es mir übrigens schon egal, ob die Mietwagenbuchung funktioniert oder nicht. Und was kam noch einige Stunden später? Die Aufforderung, einen “Online Check-in” zu machen. Natürlich ging es darum, Verwaltungsarbeit dem Kunden aufzuladen, sprich die Führerschein- und Ausweisnummer zu erfassen. Früher gab es dafür eben den Mitarbeiter am Schalter, der die Gelegenheit für ein ordentliches Verkaufsgespräch nutzte.

    Wir haben den Wagen schließlich erhalten, aber es hat viel zu viel Zeit gekostet. Wenigstens ließ sich das über das hervorragende schwedische LTE-Netz von Bord des Segelbootes aus machen. Übrigens: Das Auto war prima. Ein geräumiger Kombi mit einem Hybridmotor. Den konnte man an der nächsten Steckdose aufladen, davon gab es erstaunlich viele, und dann geräuschlos 50 Kilometer rein elektrisch weiterrollen. Nicht wirklich sinnvoll, aber Spaß hat es gemacht. Man könnte also sagen: das Produkt war gut.

    So wird das nichts mit der “Sharing Economy”

    Doch die Lehre der ganzen Geschichte ist: So wird das nichts mit der “Sharing Economy“, die seit ungefähr acht Jahren durch die Medien geistert. Danach wollen Menschen künftig weniger besitzen und sich mehr teilen, ein Gedanke, der weder übermäßig sympathisch ist, auch nicht unbedingt der menschlichen Natur entspricht – aber vor allem ganz praktisch scheitert.

    Wer sich durch immer kompliziertere Online-Tools durcharbeiten muss, um eine banale Sache wie eine Mietwagenbuchung vorzunehmen, kommt nicht auf den Geschmack des “sharing”. So erlebt übrigens auch bei einem Anbieter von Elektrorollern in Hamburg, der sich partout weigerte, meinen alten EU-Führerschein als gültig anzuerkennen, sicherheitshalber aber schon einmal eine Anmeldegebühr kassierte, die ich erst nach längeren Diskussionen zurückerstattet bekam.

    Und es bleibt noch ein weiteres Problem: Gerade im Mietwagenbereich können manche Unternehmen einfach nicht der Versuchung widerstehen, mit vermeintlichen Schäden zusätzlich etwas Kasse zu machen. So erlebt einmal bei einem Wagen in München, bei dem 400 Euro für einen Kratzer an der Heckklappe entrichtet werden sollten. Glücklicherweise hatte ich den Zustand der Heckklappe vorher per Smartphone dokumentiert und nach längeren Diskussionen nahm der Anbieter (der gelbe) davon Abstand. Seither versuche ich, wo immer es geht, eine Vollkasko ohne Selbstbeteiligung einzubauen – was natürlich Zusatzkosten verursacht.

    “Sharing” macht das Leben komplizierter

    Nein, Sharing spart kein Geld. Es macht das Leben nicht einfacher, sondern komplizierter. Und der Verzicht, der bestimmten Menschen so reizvoll erscheint, ist in Wirklichkeit ein anderer: Statt auf das eigene Auto, das eigene Boot, die eigene Bohrmaschine, Fahrrad oder was auch immer zu verzichten und diese zu leihen, lautet die Alternative lieber: Vielleicht doch den Bus statt den Mietwagen nehmen, vielleicht kein Boot chartern, die Schleifmaschine lieber selber anschaffen oder gleich improvisieren. Und kaufen und verkaufen ist nicht weniger nachhaltig als mieten.

    Solange es Anbieter gibt, die immer umständlichere Buchungssysteme auflegen, die Arbeit nur an den Kunden “outsourcen” sollen, die mit intransparenten Preisen arbeiten oder in Preisvergleichen bevorzugt werden oder gar mit vermeintlichen Schäden an der Mietsache Kasse machen wollen, wird das Vertrauen der Konsumenten bröckeln. Und ohne Vertrauen wird das nichts mit der “Sharing Economy”. Der Begriff gehört momentan eher ins Marketing und ist nicht Teil einer neuen Wirtschaftsordnung.

  • Ein Jahr Lockdown: Wie sich die Berichterstattung änderte

    Die Pandemie hat auch die Berichterstattung in der Wirtschaft gehörig durcheinandergewirbelt. Zeit für eine kleine Bilanz. Denn nach über einem Jahr Corona-Lockdown zeichnet sich langsam eine gewisse Normalisierung ab.

    Als der Lockdown Mitte März 2020 losging, änderte sich auch die Berichterstattung gehörig, besonders, wenn man einen auf Norddeutschland ausgerichteten Wirtschaftsraum betrachtet. Noch im Februar 2020 war es auch im Wirtschaftsressort eine Mischung von Nachrichten aus Wirtschaft und Politik, von Unternehmens- und Personaliengeschichten und einem guten Schuss Verbraucherjournalismus für die Leser, plötzlich standen ganz neue Herausforderungen an.

    Beinahe wöchentlich galten neue Regeln. Manche leuchteten sofort ein, manche erschienen fast schon skurril. Plötzlich gab es Geschäfte, die noch öffnen durften und solche, die schließen mussten. Geradezu willkürlich mutet heute die Quadratmeter-Regelung an, die oberhalb einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern in Schleswig-Holstein einen Schnitt setzte. Also waren vor allem Erklärungen angesagt. Woher kommen diese Beschränkungen? Wie sehen sie aus? Was bedeuten sie, für die Verbraucher ebenso wie für die Kaufleute? Das wichtigste Hilfsmittel größerer Einkaufsmärkte wurde das Flatterband, mit dem die “zu großen” Bereiche einfach abgesperrt wurden.

    Doch auch die konkreten Auswirkungen der umfangreichen Beschränkungen rückten mehr ins Bild. Man denke nur an das Schicksal unzähliger Solo-Selbstständiger, denen plötzlich die Auftraggeber wegbrachen, und die Hartz IV beantragen mussten. Da steckte so manche dramatische, persönliche Geschichte dahinter.

    Die Agentur für Arbeit lieferte ständig neue Daten zum Arbeitsmarkt in der Corona-Krise. Foto: succo / Pixabay

    Nebenher lieferte natürlich die unglaubliche Ab- und dann rapide Aufwärtsbewegung auf den Aktienmärkten immer wieder Raum für spannende, auch Verbraucher und Anleger orientierte Geschichten. Auch der Arbeitsmarkt, der erhebliche Dellen in der Corona-Krise abbekam und sich doch, auch mithilfe von Kurzarbeit, dann auf einem einigermaßen gleichbleibendem Niveau hielt, lieferte ständig neue Schwerpunkte der Berichterstattung.

    Die Hilfsprogramme gerieten in den Fokus

    Vor allem am Anfang griffen die Hilfeprogramme relativ zügig. In einer Zeit, wo die Anträge noch oft im eigenen Bundesland bearbeitet wurden, konnte auch die Antragsflut zügig abgeschichtet werden, wie immer wieder aus der Wirtschaft zu hören war. Als sich im Laufe des Jahres die Bundes-Hilfsprogramme etablierten, die mit ganz anderen Volumina ausgestattet wurden, wuchsen aber gleichzeitig auch die Probleme.

    Die Bearbeitung der Anträge wurde zäher, die Unternehmen oft allein gelassen. Damit wandelte sich auch der Fokus der Berichterstattung: Nach dem Erklären der Maßnahmen und den Auswirkungen auf die Verbraucher und dann der Darstellung vieler Schicksale Betroffener geriet langsam die Kritik in den Vordergrund.

    Milliarden standen für die Überbrückungshilfen bereit, doch die Auszahlung lief schleppend an. Foto: pixabay

    Gerade mit dem zweiten Lockdown Anfang November wurde das deutlich. Wer erinnert sich nicht an die vollmundig von der Bundesregierung angekündigten “Novemberhilfen”, die dann erst nicht im November, dann auch nicht im Dezember zur Auszahlung kamen? Erst nach der Jahreswende liefen die richtig an. Die Programmierung der Antragssysteme stellte offenbar das Ministerium in Berlin vor nicht gekannte Herausforderungen.

    Der Lockdown wurde zum Alltag

    Das mündete dann in neuen Überbrückungshilfen, die glatter liefen als die Programme vorher. Der Lockdown wurde auch in der Wirtschaftsberichterstattung zur neuen Realität. Seine stabilen, drastischen Beschränkungen änderten sich nach der Jahreswende nur wenig, die Wirtschaft blieb, wenn sie nicht arbeiten konnte, eingefroren.

    Zwischendurch gab es aber immer wieder geradezu schockierende Entwicklungen, etwa den Tarifstreit in der Metallindustrie, den die Gewerkschaft startete und dem die Arbeitgeber erst fassungslos, dann aber durchaus reaktionsschnell gegenüberstanden.

    Thematisch auf breiter Front kam erst wieder Bewegung auf, als in Schleswig-Holstein zum Beispiel stufenweise wieder geöffnet wurde. Erst “verschlang” die Erläuterung der neuen Regeln viel Raum, dann die Umsetzung und schließlich die Kritik daran. Aber es war wieder Leben in den Teilen der Wirtschaft, etwa dem Handel oder den Dienstleistungen, die vorher eingefroren waren.

    Ein Stück Normalisierung zeichnet sich ab

    Nebenher kamen auch wieder klassische Wirtschaftsthemen auf, die vorher in Hintergrund gerückt waren. Wie entwickeln sich die Rohstoffpreise? Was ist mit den Immobilienpreisen, die in vielen Regionen ungeachtet Corona immer wieder anstiegen? Und gerade erst haben wir uns dem Thema Strafzinsen wieder gewidmet, die mittlerweile von vielen Banken und Sparkassen erhoben werden – was viele Monate nur eine untergeordnete Rolle spielte.

    Das dürften die ersten Anzeichen der Normalisierung sein. Statt schockierender Corona-Nachrichten, neuer Beschränkungen und deren Auswirkungen und dann der langsam laufenden Impfkampagne kommen jetzt die normaleren Themen zurück, in ihrer ganzen Bandbreite vom verbraucherorientierten Journalismus bis zu den übergreifenden Auswirkungen des Klimawandels. Zwar wird die “Normalisierung” noch einige Monate dauern, aber sie ist erkennbar.

    Und was bleibt nun?

    Mein Fazit nach einem Jahr Corona: Die Krise hat gezeigt, wie wichtig nicht nur das Erklären von neuen Entwicklungen und wirtschaftspolitischen Maßnahmen ist oder die Darstellung der Betroffenheit ist, sondern auch, dass die Einordnung und die Kritik mehr denn je eine wichtige Aufgabe der Wirtschaftsberichterstattung ist, auch regional.

  • Im Lockdown sind die Städte eingefroren

    Der Lockdown wird wohl länger dauern. Doch was kommt eigentlich danach? Bislang setzt der Online-Handel seinen Siegeszug ungebremst fort. Welche klugen Konzepte gibt es denn abseits des Handels? Nur Wohnen und Gastronomie?

    Seit eineinhalb Monaten haben fast alle Geschäfte im Einzelhandel geschlossen. Wer abends durch die Stadt spaziert oder fährt, der sieht: Es ist wirklich überhaupt nichts mehr los. Das bisschen Leben, das tagsüber noch an mancher Einkaufsstraße herrscht, verzieht sich nach Sonnenuntergang. Eigentlich eine gute Zeit zum Einkaufen: In einem großen Verbrauchermarkt in der Wik in Kiel konnte man vor dem Lockdown am Sonnabend gar nicht mehr einkaufen, so voll war es. Und jetzt spazieren nach 20 Uhr vielleicht noch drei Kunden durch die Gänge.

    Ein Besuch im Verbrauchermarkt

    Gerade wurde wieder einmal über die Zukunft von Real diskutiert. Die Märkte sollen nach und nach verkauft oder geschlossen werden. Während sich die Unsicherheit anderenorts langsam lichtet, steht für die Filialen in Schleswig-Holstein noch nichts fest. Aber sie bieten einen gespenstischen Eindruck, die noch geöffneten Real-Märkte, wie im Gewerbegebiet Schwentinental bei Kiel.

    Der Parkplatz ist an einem Dienstagabend im Lockdown kaum gefüllt. Da steht eine kleine Gruppe Jugendlicher, die offenbar gelangweilt Rennen mit Einkaufswagen fahren. Am etwas in die Jahre gekommenen Eingang sieht man deutlich den Investitionsstau, der hier herrscht. Und drinnen? Ist es gar nicht mal so leer. Die Kunden bummeln in kleinen Zweier- und Dreiergruppen durch die Gänge. Sie halten hier, schauen da. Dann laden sie aber nur wenig in ihre Einkaufswagen. Wie ein Shopping-Bummel in der Innenstadt sieht das aus. Vom Fahrrad bis zum Fernseher gibt es in diesen Märkten viel mehr als Lebensmittel zu kaufen. Freizeitbeschäftigung Einkaufen, spätabends, im ansonsten dunklen Gewerbegebiet. Übrigens zeigen Konsumentenstudien, dass Einkaufen in Deutschland die beliebteste Freizeitbeschäftigung ist. Kein Wunder, das so vielen im Lockdown die Decke auf den Kopf fällt.

    Tipping-Point: das Kartenhaus fällt um

    Das führt zu der Frage, was denn aus den Innenstädten werden soll, angesichts immer neuer Rekordumsätze im Onlinehandel. Der “Tipping Point” sei überschritten, heißt vom Verband der Onlinehändler. Ein schöner, bitterer Anglizismus. Man kann sich buchstäblich vorstellen, wie der klassische Einzelhandel umfällt. Kein Wunder, im Lockdown gibt es nicht sehr viele Shopping-Möglichkeiten, neben Online-Bestellungen wären da nur besagte Verbrauchermärkte.

    Online-Shopping
    Lieblingsbeschäftigung Shopping: das ist eigentlich nur noch online möglich. Foto pixabay

    In diesem provozierenden Beitrag “Sprengt die Fußgängerzonen” kann es nicht schnell genug gehen mit dem Niedergang unattraktiver City-Einkaufsstraßen. Angesichts des Online-Booms hätten die sowieso keine Chance. Da mag viel Wahres dran sein, aber wollen wir das wirklich? Was soll denn in den Innenstädten sinnvolles passieren? Da wäre eigentlich nur mehr Wohnen – an einem mäßig attraktiver Standort. Oder mehr Kultur – aber die gibt es an anderen Standorten in der Stadt schon. Oder gar mehr Gastronomie, die es anderenorts auch schon reichlich gibt. Bleiben noch Behördenzentren.

    Neue Rezepte sind bislang nicht in Sicht

    Ein Zentrum bindet eine Stadt zusammen und stiftet ihr Identität – das haben wir häufig genug gehört. Und dazu gehört auch Einkaufen. Es ist doch klar: Eine mäßig attraktive City-Meile mit Kettengeschäften tut immer noch mehr für eine lebendige Stadt als eine reine Wohnstraße oder eine Gastro-Meile. Voll im Trend lag es, zumindest in der Vor-Corona-Zeit, den Autoverkehr aus den Städten zu verbannen. Auch das sollte noch einmal überdacht werden. Eine aufpolierte, aber menschenleere Fußgängerzone, in der die meisten Geschäfte leer stehen, erfüllt keine City-Funktion. Das schreckt eher ab. Etwas Verkehr sorgt zumindest dafür, dass die Kunden auch in die Städte kommen.

    Besser wäre es, auf manchen Verbrauchermarkt auf der grünen Wiese verzichten. Jedenfalls besser, als die Innenstädte endgültig zu begraben oder untätig zu bleiben. Oder gar die Rezepte von vor fünf Jahren nach dem Lockdown umzusetzen. Aber gute Ideen und eine gute Mischung, die fehlen bislang noch. Natürlich gibt es Einzelhandelskonzepte, die auf das “Erlebnis Einkauf” setzen. Wie das aber zu einer funktionierenden Innenstadt zusammengebunden werden kann, ist offen. Hoffentlich kommen die bald, denn bis dahin wird der Siegeszug des Online-Handels weitergehen.

  • Lockdown Nummer zwei kommt näher

    Die Vorzeichen standen im Frühherbst nicht so schlecht: Der Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt schien weniger stark, der Arbeitsmarkt zeigte sich etwas besser. Doch jetzt steigen die Infektionszahlen. Eigentlich ist klar, wohin das führt – in den zweiten Lockdown.

    Die Furcht vor einem zweiten Lockdown ist schon ziemlich allgegenwärtig: Kaum ein Tag vergeht, indem nicht ein Verband, eine Unternehmensvereinigung oder Kammer vor den Folgen einer zweiten Schließung warnt. Ökonomen, Bildungsexperten, die Bundeskanzlerin selbst wissen sehr wohl um die Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft.

    Gleichzeitig wird die Infektionslage immer dramatischer. Tag für Tag färben sich auf dem RKI-Dashboard beispielsweise mehr und mehr Landkreise gelb, rot und dann dunkelrot ein. Das Band der Kreise, die längst über 50 Covid-19-Fällen (je 100.000 Einwohner in sieben Tagen) sind zieht sich im Westen von Bremen und Südwestdeutschland bis Berchtesgaden, und jetzt rollt auch im Osten, wo die Infektionszahlen bislang niedrig lagen, mit der Farbe Rot die Karte von Süd nach Nord aus. Man konnte das exemplarisch an Bremen sehen, wo die “50er Marke” in der ersten Oktoberhälfte in raschen Schritten “geknackt” wurde und jetzt weit über 100 liegt.

    Die Appelle wirken sehr zahm

    Noch gibt es Regionen wie Schleswig-Holstein, in denen das Infektionsgeschehen niedrig ist. Wenn hierzulande Aufregung um das Überschreiten der 35er-Warnschwelle entsteht, wirkt das schon skurril im Vergleich zu Landkreisen, die gegen das Überschreiten der 100-er Schwelle kämpfen. Aber natürlich weiß jeder, dass es auch hier oben nicht so bleiben wird.

    Der Satz von Markus Söder, wir seien näher an einem Lockdown als viele glauben, bekommt eine unangenehme Durchschlagskraft. Doch was haben die Appelle und Mahnungen der vergangenen Wochen gebracht? Niemand dürfe jetzt in Pandemiemüdigkeit verfallen, sagte Ministerpräsident Daniel Günther gerade erst. Das sei für jeden eine Herausforderung, er empfehle Masken zu tragen und die Aha-Regeln zu befolgen. Das sind freundliche Worte an die Bürger gerichtet, die aber angesichts des Infektionsgeschehens doch sehr milde wirken. Günther gibt fast schon den Anti-Söder, mit freundlichen Appellen, die gegen scharfe Warnungen stehen.

    Was wird vom Silberstreif am Horizont bleiben?

    Die Analysen zur wirtschaftlichen Lage, die wir in den vergangenen Wochen auf den Schreibtisch bekamen, hatten eine optimistische Tendenz. Am Arbeitsmarkt zeige sich ein Silberstreif am Horizont, der heller werde, hieß es beispielsweise in der Regionalanalyse der Agentur für Arbeit. Das sehr präzis arbeitende Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnete mit einem kleineren Einbruch des Bruttoinlandsproduktes als erwartet. Auch die jüngste Umfrage der Industrie- und Handelskammern zeigte, dass die Erwartungen vieler Unternehmer besser wurden.

    Hoffen wir, dass davon etwas bleibt, wenn das Infektionsgeschehen ungebrochen so weiter gehen sollte. Es gibt sehr wenige Landkreise, in denen die 7-Tage-Inzidenz gesunken ist. Und dort wo dies geschah, im Landkreis Friesland etwa, sind die Zahlen nach einigem Auf und Ab wieder angestiegen. Die Mahnungen, sich an die Regeln zu halten und die Warnungen vor einem zweiten Lockdown sind ohne Zweifel richtig. Doch es wäre langsam eher an der Zeit, die Vorbereitungen für den zweiten Lockdown anzugehen – und dabei die Öffentlichkeit ebenso einzubeziehen wie das Parlament.

    Mit einer durchdachten Vorbereitung wären die Folgen besser abzumildern, als wenn das Thema ausgegrenzt wird. Bei 20.000 Neuinfektionen am Tag brechen die Gesundheitsämter zusammen, warnte der Präsident des Robert-Koch-Instituts. Wir bewegen uns mit großen Schritten dorthin. Am Sonnabend, 24. Oktober, waren es knapp 15000. Wo stehen in Zahlen in einer Woche? Schauen Sie selbst nach im Dashboard.

    Öpckdown vor einem Einkaufszentrum
    Leerer Parkplatz: Der Lockdown vor einem Einkaufszentrum im Frühjahr. Foto: pixabay / Eugen Visan

  • Die Crux mit den Filialen

    In der Corona-Krise muss der Einzelhandel schwere Zeiten durchmachen. Aus den Innenstädten verschwinden schon jetzt viele Filialen – aber jetzt sind Banken dran. Das hat einschneidende Folgen.

    Es ist noch gar nicht lange her, da hatte eine private Großbank damit geworben, dass sie ihr Filialnetz ausbauen und pflegen werde und nicht – wie andere Institute – abbaut. Schließlich, so hieß es in regelmäßigen Pressemitteilungen, gewinne man ja Monat für Monat Kunden hinzu. Das tun übrigens die meisten Banken, zumindest erklären sie es.

    Erfreulich – aber nicht von Dauer. Auch dieses Institut musste eingestehen, dass es um Filialschließungen nicht herumkommt. Zu übermächtig sei der Digitalisierungsschub durch die Corona-Krise geworden. Deshalb werden Filialen auch in Hamburg und Schleswig-Holstein, die im Zuge des Corona-Lockdowns bereits geschlossen worden waren, gar nicht mehr aufgemacht.

    Selbst Sparkassen schließen Filialen

    Im Zuge der Recherchen zu diesen Filialschließungen stieß ich gleich auf die zweite große Privatbank, die ebenfalls gerade im Begriff ist, vier Filialen im Norden zu schließen – aber dies nicht an die große Glocke hing, schließlich seien die Kunden schon informiert. Es war schon fast erstaunlich, dass sie in einigen Orten an der schleswig-holsteinischen Westküste überhaupt noch vertreten war, die ja eigentlich fest in der Hand der Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken sind.

    Und selbst die Sparkassen haben in der Fläche in den vergangenen Jahren kräftig abgebaut. Wenn es keine Filialen mehr gibt, kommt mit Glück noch ein Bank-Bus einmal die Woche vorbei, oder es wird auf das nächste Städtchen im Kreis verwiesen. Aber es ist auch eine Crux mit den Filialen: Sie werden weniger und weniger benötigt. Die Digitalisierung leistet dabei einen erheblichen Vorschub.

    Zwischendurch gab es einige Spielereien, möchte man sagen, Bankberatung im Café etwa, wie sie Deutschlands größte Sparkasse in Hamburg ausprobierte. Nur – wer möchte mit einem Berater in einem wuseligen Bäckereicafé über seine Finanzen reden, während um ihn herum die Kunden kommen und gehen? So ziemlich das Gegenteil von Diskretion ist das. Kaum ein Szenario fällt einem ein, in dem dies Sinn machen würde.

    Die Kunden können sich viele Wege schenken

    Wenn die Gespräche also nicht im Cafe und nicht in der Filiale stattfinden – wo dann? Am guten alten Telefon höchstwahrscheinlich oder auch in der Videokonferenz mit dem Bankberater. Es hilft nichts: Bei beiden Wegen ist man ortsunabhängig, kann sich den Weg schenken. Bei wichtigen Terminen wird dies keine Alternative sein, aber für die regelmäßigen Gespräche schon. So wie das Bargeld auf dem Rückzug ist, wird es auch der Schalter in der Filiale sein.

    Und so werden sich die Bankfilialen perspektivisch wohl einreihen in die Vielzahl der Geschäfte, die aus den Innenstädten abziehen. Die Postfilialen machten oft den Anfang. Es gibt gar nicht mal so kleine Bahnhöfe, in denen die DB ihr Reisezentrum geschlossen oder ausgelagert hat. Und selbst die Zukunft der Kinos ist keineswegs mehr sicher. Es scheint geradezu eine Crux mit den Filialen zu sein.

    Die Zukunft der Innenstädte

    Gastronomie wird in den Innenstädten eine größere Rolle spielen.
    Gastronomie statt Filialen – das wird künftig in den Städten eine größere Rolle spielen. Foto: pixabay

    Die Händler wissen natürlich längst, wo die Zukunft der Innenstädte liegt, wie zum Beispiel der Einzelhandelsverband für einen anderen Bericht über die Schließung von Karstadt-Standorten berichtet: Eine multifunktionale Innenstadt muss entstehen, in der es viel Aufenthaltsqualität gibt und viel Gastronomie, in der aber auch gewohnt wird und wo es eben auch Geschäfte gibt. Aber die Einkaufsstadt klassischer Prägung wird sich wandeln.

    Statt zu Karstadt zu gehen, statt die Bank zu besuchen, oder in den Filialen einer Modekette zu shoppen, wird dort auch gebummelt und flaniert – aber eben nicht notwenigerweise zum Einkaufen. Noch steht übrigens die Corona-Krise dieser Entwicklung entgegen, denn noch gibt es Maskenpflicht, und das ist mit der Hindernisgrund Nummer eins für entspanntes flanieren. Aber wenn die Krise hoffentlich einmal eingedämmt ist, muss der Wandel beginnen. Einige Städte werden das schaffen, andere nicht. Man darf gespannt sein, wie rasch sich der Wandel vollzieht.

  • Die Krise ist der Durchbruch der Video-Pressekonferenz

    Ich bin in Zeiten der Corona-Krise nicht nur ein Fan von Videokonfernzen geworden, sondern auch als Journalist von Video-Pressekonfernzen. Auf meinem Laptop “stapeln” sich schon die Programme, von Microsoft Teams über Skype und Zoom bis zu diversen unbekannteren In-House Lösungen. Es gibt kaum einen schnelleren und authentischeren Weg, sich Informationen bei der Recherche ins Home-Office zu holen. Doch auch wenn die Technik gut läuft, lauern Fallstricke dabei.

    Einige Firmen, Verbände und Einrichtungen haben mit dem Beginn des Lockdowns ganz auf Pressekonferenzen verzichtet. Einige sind im Mai schon wieder dabei gewesen, zurückzuschwenken und die gute alte Pressekonferenz mit persönlicher Teilnahme zu machen. Das wirkt dann leicht gequält: Es wird sorgsam Abstand gehalten, Mundschutz getragen, die Stuhlreihen nur spärlich besetzt. Doch warum eigentlich? Live-Konferenzen sind nicht angesagt – warum sich und Journalistenkollegen völlig unnötig einem Risiko aussetzen?

    Dabei habe ich einige sehr produktive Video-Pressekonferenzen miterlebt, die Bandbreite reicht von Firmen über die IHK Nord und Nordmetall bis zur Hamburg-Messe. Jedes Mal konnte ich den Gesprächspartnern gut folgen und die eine oder andere Frage loswerden. Sehr schön: Sie können die Aufnahmen auch archivieren (wie es zum Beispiel die Bundesregierung macht).

    Je gängiger die Software, desto besser

    Doch ganz wichtig dabei ist: Nehmen Sie eine gängige Software, die die Anmeldung auch im Browser ermöglicht. Auch wenn Sie in Ihrem Haus eine besondere Videokonferenz-Software einsetzen, erwarten Sie bitte nicht, dass jeder Journalist auf seinem Firmenrechner diese spezielle Software installieren darf (ich mache das auf meinem Laptop, weil ich sie alle ausprobieren möchte ;-). Doch bei einer Firma, den Namen lasse ich hier einmal beseite, habe ich eine so obskure Lösung vorgefunden, die zudem schlecht funktionierte, dass die meisten Teilnehmer sich per Telefon einwählten. Hier gibt es einen guten Überblick über aktuelle Software von heise.de.

    Punkt zwei: Setzen sie sich nicht in einer Gruppe in Ihrem Konferenzraum zusammen, die dann zwangsläufig eng beieinanderhocken muss. Das sieht komisch aus: Während alle anderen Teilnehmer ein eigenes Gesprächsfenster haben, sitzen drei Firmenvertreter als kleine Köpfe nebeneinander. Jeder Kopf sollte eine eigene Kamera mit Namensschriftzug haben, das macht die Arbeit der Medienvertreter einfacher und es leichter, Ihnen zu folgen.

    Videokonferenz-Software gibt es fast wie Sand am Meer. Für Pressekonferenzen sollte es aber eine gängie Lösung sein. Foto: Pixabay

    Damit es auch eine echte Pressekonferenz wird, sollten auch die Teilnehmer alle eingeblendet werden. Denn bei einer richtigen Konferenz wären sie auch alle physisch dabei. Wer partout nicht gefilmt werden möchte, schaltet eben die Kamera aus. Genauso wichtig ist es, Fragen zuzulassen. Schließlich ist die Pressekonferenz kein Livestream oder eine Fernsehübertragung. Das törnt Journalisten schnell ab – wer mag schon “aus dem Fernsehen abschreiben”?

    Außerdem hängt es damit zusammen, warum viele Journalisten überhaupt an Pressekonferenzen teilnehmen, nämlich um ihre Gesprächspartner live etwas besser kennenzulernen. Der Transport der Informationen kann auch über Pressemitteilungen erfolgen. Journalisten an Tageszeitungen etwa könnten für die reinen Fakten auch auf Texte einer Nachrichtenagentur zurückgreifen. Nein, die Pressekonferenz soll die Gesprächspartner zusammenbringen. Da können Sie ruhig auch Journalisten namentlich ansprechen.

    Gekommen, um zu bleiben

    Ich hoffe jedenfalls und bin überzeugt, dass die Video-Pressekonferenzen auch nach der Corona-Krise durchsetzen. Den technischen Mehraufwand dafür sollten alle Firmen und Institutionen doch mittlerweile beherrschen.

    Den Medienvertretern erspart dies aber nicht zuletzt Wegstrecke. Ein Beispiel: Wenn man sich, so wie hier, an der Peripherie befindet, finden viele interessante Pressegespräche in Hamburg statt. Nicht für jeden dieser Termine wird man die Fahrzeit, von Kiel rund eineinhalb Stunden, in Kauf nehmen wollen. Da ist die Video-Pressekonferenzen eine höchst effiziente Zwischenform. Sie liegt zwischen der echten Konferenz und der Pressemitteilung. Ich zumindest denke, sie ist so überzeugend, dass sie bleibt.

  • Kein Bargeld in Maasholm

    Kartenzahlung hat einen gewaltigen Vorschub in der Corona-Krise erhalten. Was aber tun, wenn keine Karten genommen werden – und es kein Bargeld gibt? Am Ende hat doch das Smartphone geholfen.

    Eigentlich ist Kartenzahlung eine sichere Sache: Die neuen kontaktlosen Karten können vors Lesegerät gehalten werden und Beträge bis zu einer gewissen Höhe ohne Pin abgebucht werden. Oder das Smartphone, das für die Transaktion eine eigene Nummer generiert und damit besonders sicher sein soll. Ich hatte das schon einmal in einem Kommentar “empfohlen“, der für kontroverse Leserbriefe sorgte, weil natürlich nicht jeder Karten nutzen kann oder möchte.

    Doch es geht natürlich auch andersherum: In Maasholm zu Beispiel. Das war das erste richtige Reiseziel mit unserem Boot in diesem Jahr, wir blieben gleich zwei Nächte in dem hübschen Hafen dicht an der Schleimündung, der immer noch Fischerdorf ist, aber vor allem vom Tourismus lebt.

    Der Geldautomat wurde “gesprengt”

    Und genau dort ging das Bargeld aus. Der Ort hat einen Geldautomaten, der aber – man höre und staune – vor drei Tagen gesprengt worden war, wie der “Schlei Bote” berichtet. Keine Scheine im Angebot, und keine Alternative in Sicht. Das ist übrigens ein heißes Thema in Maasholm, drohtze doch dem Geldautomaten selbst schon die Schließung.

    Aber jetzt gibt sich der Ort plötzlich ganz zugeknöpft: Ob Hafenmeister, Einkaufsmarkt oder Geschäfte mit Kartenzahlung: Keiner wollte gegen Karte Bargeld herausrücken, keiner hatte eine Idee. Zudem hatten wir noch einen Betrag von zehn Euro in einem Lokal offen, das auf Barzahlung bestand.

    Wer mit dem Segelboot reist, hat kein anderes Transportmittel dabei. Aber vielleicht mit dem Bus nach Gelting oder Kappeln fahren? Doch das man angesichts der Verbindungen auf dem Land in Schleswig-Holstein gleich wieder vergessen. Sage und schreibe einmal am Tag wäre ein Bus nach Kappeln gefahren – und nicht wieder zurück. Nun, kein Problem, dann nehmen wir das Boot, sind ja nur 2,5 Seemeilen die Schlei hoch.

    In wenigen Sekunden ist das Gald überwiesen

    Die Rettung waren unsere Stegnachbarn, die bereit waren, mit Bargeld auszuhelfen. Den Betrag könnten wir einfach überweisen, per Paypal. Das geht faszinierend einfach, auch wenn die AGB’s des Zahlungsdienstleisters schon in der Kritik standen. Doch in diesem Fall war Paypal eine schnelle Lösung: Man benötigt nur die E-Mail des Gegenübers und drückt auf “Betrag an Freunde senden” – wenige Sekunden später ist das Geld beim Empfänger. Und wir waren binnen weniger Minuten wieder flüssig und konnten uns den Törn die Schlei hinauf sparen. Danke an die Nachbarn aus Hamburg.

    Also: Auch im Jahr 2020 darf man in Deutschland keineswegs ohne eine ordentliche Bargeldreserve reisen, Karten oder gar Zahlung mit Smartphone sind noch nicht überall angekommen, auch durch die Corona-Krise nicht. Dabei wäre die Paypalzahlung genau etwas für kleinere Händler zum Beispiel, die sich kein Kartenlesegerät leisten wollen. Und es gibt auch eine Reihe von Alternativen, die Sofortüberweisung zum Beispiel. Doch ich will hier nicht den Niedergang des Bargelds einläuten, wie es der Paypal-Chef selber tut. Das ist, zumindest an der Schlei, zumindest in einem echten Tourismusgebiet, nun wirklich noch Zukunftsmusik.